Laden Sie das Buch als PDF herunter und lassen Sie sich
durch eine Geschichte führen, die einen Mann, sein Land
und die Familie verbindet, die sein Erbe bewahrt.
Kapitel 4
Wie ein altes Sprichwort sagt: „Der Appetit kommt beim Essen“. So gab es Mitte der
achtziger Jahre weitere Neuigkeiten im Hause Sandrone. Luciano berichtet uns persönlich
darüber.
„Nachdem ich meinen ersten Nebbiolo-Weinberg für den Barolo gekauft hatte, verbreitete
sich nach und nach das Gerücht, dass ich am Kauf weiterer Weinberge interessiert sei.
Dass ich es liebte, im Weinberg zu arbeiten und Trauben und Wein zu erzeugen, war jedem
klar. Auch deshalb bewunderten mich viele und mochten mich. Es war das Jahr
1977 und eines Tages schlug mir ein alter Bauer aus Barolo,
Giovanni Carlo Cabutto – allen als „Re cit“ (der kleine König) bekannt,
so genannt, weil er so klein war wie ein Zaunkönig, der Vogel, der auf Piemontesisch so
bezeichnet wird – vor, seinen Weinberg zu kaufen. Er fühlte sich nicht
mehr in der Lage, ihn zu bewirtschaften, und fürchtete, dass er völlig verwildern würde.
Also kaufte ich ihn. Er war so froh, dass ich ihn kaufte, dass er mich
wegen der Zahlungsfristen beruhigte: „te mra pàghi quandi ch’et avrai i sòd“ (du wirst
ihn mir bezahlen, wenn du das Geld hast). Dies war ein bedeutender Weinberg, eine
Nebbiolo-Anlage, die sich sogar auf dem prestigeträchtigen Hügel der
Cannubi befand, in jenem Teil, der Cannubi Boschis genannt wird. Leider war
der Weinberg in einem eher schlechten Zustand, und so musste ich nach dem Kauf eine
drastische Entscheidung treffen: ihn von Grund auf neu anzulegen. In der Zwischenzeit
war ein weiterer Weinberg frei geworden, ebenfalls in Cannubi Boschis,
praktisch angrenzend an den vorherigen. So kaufte ich auch
diesen. Ich freute mich „wie ein Schneekönig“. Meine kleinen
Träume begannen Wirklichkeit zu werden.“
Die Nebbiolo-Weinberge nahmen an Zahl und Fläche zu, und so beschloss Luciano, die
Vinifizierung der verschiedenen Partien als Verschnitt zu versuchen: Le Coste und Cannubi
Boschis ergaben bereits eine großartige Verbindung! Der Verschnitt war das traditionelle
System des Barolo, und Luciano hielt es für eine angemessene Wahl, dies auch mit seinen
kleinen Weinbergen zu testen. So begann mit dem Jahrgang 1985 die Produktion seines
Barolo „Le Vigne“, der ab 1990 vermarktet werden sollte.
Wie üblich kommen Neuigkeiten nie allein. So erhielt Luciano genau in jenem Jahr 1985 einen
sehr willkommenen Besuch von Gino Veronelli, einer Legende des italienischen
Weinjournalismus, dem ersten, der sich mit Leib und Seele den Themen Wein und hochwertige
Lebensmittel widmete.
Veronelli war fasziniert von diesem kleinen Produktionsbetrieb, der seine ersten Schritte
unternahm, ebenso wie von Lucianos Lust am Ausprobieren und Experimentieren, am Vergleich mit
den besten Produktionen aus dem Burgund. Doch Ginos „fixe Idee“ war eine andere: Er war der
Verfechter der getrennten Vinifizierung für jeden einzelnen Weinberg und forderte Luciano
daher auf, die getrennte Vinifizierung der in Cannubi Boschis erzeugten Nebbiolo-Trauben zu
versuchen. Bei einem Förderer dieses Kalibers konnte man nicht ablehnen. Gleichzeitig wollte
Luciano jedoch nicht auf seinen ursprünglichen Ansatz verzichten. So vinifizierte er den
Barolo Cannubi Boschis separat, setzte aber bei den anderen Weinbergen den Test der
Verschnittmethode fort. Lucianos Innovation in der Art der Barolo-Produktion bestand
genau darin, die Trauben je nach ihrer unterschiedlichen Herkunft separat zu verarbeiten
und die Weine erst vor der Abfüllung zu verschneiden.
„Da mein kleiner Betrieb wuchs – wirft Luciano ein – und die Produktion kräftiger
wurde, wurde mir klar, dass eine größere Kontinuität in der Arbeit und Entwicklung
erforderlich war. Ich traute mir den großen Schritt noch nicht zu, nämlich die Marchesi
di Barolo zu verlassen und mich ausschließlich meinem eigenen Betrieb zu widmen. So
entschieden wir nach dem x-ten „Familienrat“ im Frühjahr 1986, dass
meine Frau Mariuccia ihre Arbeit bei der „Marchesi“ aufgeben
würde, um ihre Zeit ganz spezifisch unserer Tätigkeit zu
vidmen. Erst in den folgenden Jahren würde ich denselben Schritt tun, und
zu uns gesellten sich mein Bruder Luca (1992) und unsere Tochter Barbara (1994)“.
Barbara hatte nach ihrem Buchhaltungsstudium eine ganz andere Tätigkeit gewählt: Sie
arbeitete seit einigen Jahren als Hostess für eine Reisegesellschaft (AirEurope), während
Luca nach seinem Abschluss als Önologe beschlossen hatte, Erfahrungen in einer schönen
Kellerei im Roero, der Kellerei Deltetto in Canale, zu sammeln. Es stimmt zwar, dass beide in
Zeiten größter Arbeitsbelastung in den Betrieb zurückkehrten, um auszuhelfen, aber das war
eine unregelmäßige und sporadische Unterstützung, von der man verstand, dass sie keine
großen Ergebnisse bringen konnte.
„Wie viele Kilometer sind wir in jenen Jahren gefahren; – jetzt spricht Luca – wir
brachen morgens auf, um nach Verona, Bozen, Florenz oder in irgendeinen anderen Teil
Italiens zu fahren, und kehrten dann abends nach Hause zurück. Vielleicht kamen wir
mitten in der Nacht oder am frühen Morgen an, aber es ging nicht anders: Luciano musste
früh bei der Arbeit sein, und ich musste die Önologische Schule besuchen“.
In dieser Zeit, in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre, war die Anwesenheit von
Mariuccia im Betrieb von grundlegender Bedeutung, sowohl im Weinberg als auch im
Keller. Im Weinberg gab es viel zu tun, vor allem in der Anfangs- und
Mittelphase des Vegetationszyklus (Anbinden, Grünschnitt, erneutes Anbinden usw.); im Keller
war die Arbeit dann gewaltig, insbesondere bei den Verpackungsarbeiten, die von Hand
erfolgten. Und dann kamen die ersten Privatkunden in den Keller, viele
Weinliebhaber, die in die Hügel von Alba kamen und dazu beitrugen, die Weine der Region
aufzuwerten.
In der Zwischenzeit erschütterte im Frühjahr 1986 ein schwerer Skandal die Weinwelt, mit einem besonderen Epizentrum im Piemont: Der Methanol-Skandal war ausgebrochen. Es waren sehr schwierige Tage für den gesamten Sektor.
In den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts begannen in der Region Alba verschiedene Konferenzen, Treffen und Vertiefungsinitiativen zu technischen Themen und Marktfragen der lokalen Weine stattzufinden.
Inzwischen wuchs die Marktnachfrage und Lucianos Weine kamen gut an. So beschloss er – im Einvernehmen mit der Familie – nach weiteren Trauben für die Vinifizierung zu suchen.
Nach der glücklichen Erfahrung von 1982 hörte Luciano nie auf, an der Vinitaly in Verona teilzunehmen, und so gelang es ihm, viele Branchenvertreter und Weinliebhaber, insbesondere aus Italien, zu treffen und kennenzulernen.
Laden Sie das Buch als PDF herunter und lassen Sie sich
durch eine Geschichte führen, die einen Mann, sein Land
und die Familie verbindet, die sein Erbe bewahrt.