2.1 Von der Giacomo Borgogno zur Marchesi di Barolo

"Im Weinkeller Borgogno – fährt Luciano fort – fühlte ich mich wirklich wohl und auch deshalb verspürte ich nie die Versuchung, nach Hause zurückzukehren, um das Handwerk meines Vaters auszuüben. Ich würde es in den folgenden Monaten und Jahren merken: jene Zeit in Casa Borgogno war für mich eine grundlegende Erfahrung. Ich war jung und all die Neuheiten zogen mich in ihren Bann. Wenn ich an jene Jahre zurückdenke, frage ich mich, ob ich alles gelernt habe, was ich hätte lernen können. Damals faszinierte und fesselte mich alles: Die Arbeit war wichtig, aber sie war nicht alles. Bei der Borgogno zu arbeiten hatte mir viele Türen geöffnet: im Dorf (Gummiball und Fußball), aber auch jenseits der Gemeindegrenzen. Von Barolo aus war es nicht einfach zu reisen, aber mit der Unterstützung der Familie Borgogno gelang es mir gelegentlich sogar".
In einem kleinen Betrieb zu arbeiten bedeutete, sich um viele Dinge zu kümmern. Lucianos Hauptaufgabe war zwar die Arbeit im Keller, doch teils aus Notwendigkeit, teils aufgrund seiner vielseitigen Natur kümmerte er sich auch um den landwirtschaftlichen Bereich. So kam es, dass er zwischen einer Kellerarbeit und der nächsten Zeit fand, um die Weinbergreihen abzugehen und zu sehen, wie die Saison voranschritt, und bei den verschiedenen Kulturarbeiten mit anzupacken.
Luciano hatte sich das Vertrauen des Eigentümers so sehr erworben, dass man ihn oft nach Alba schickte, um die für Keller und Gut benötigten Einkäufe zu erledigen.
"Was die Weinberge betrifft, – Lucianos Erinnerungen werden lebhafter – bei der Borgogno waren sie im Vergleich zu anderen Produzenten der damaligen Zeit wirklich gut organisiert. Cav. Borgogno hatte sogar einen Stall gekauft, aus dem er den Mist gewann, um ihn in den Reben und anderen Kulturen zur organischen Düngung auszubringen. So lernte ich in der Landwirtschaft und insbesondere im Weinbau, alles zu tun, von der Düngung bis zur Pflanzenpflege, vom Rebschnitt bis zur Weinlese". Im Laufe seiner Ausbildung und Erfahrung kam Luciano zu der Erkenntnis, dass er die landwirtschaftliche Arbeit wirklich liebte. Es bereitete ihm Freude zu sehen, wie die Pflanzen sich entwickelten und wuchsen, die Trauben reiften und die Reben mit dem Fortschreiten der Jahreszeiten und dem Nahen des Winters ihre Blattfarbe wechselten.
1966, als er zwanzig wurde, erhielt Luciano seinen Einberufungsbescheid und musste wider Willen zum Militärdienst einrücken. Nach der Ausbildungszeit in Cuneo wurde er nach Ulzio im oberen Val Susa versetzt.
Inzwischen hatte seine Arbeit bei der Borgogno das Interesse anderer Weinkeller in der Gegend auf sich gezogen. Auch wenn es damals für die verschiedenen Betriebsinhaber genügend Arbeitskräfte gab, versuchte doch jeder, einen fähigen Mann an sich zu binden.
So waren die Angebote, den Weinkeller zu wechseln, wenn er auf Urlaub nach Hause kam, häufig.
"Der Hartnäckigste von allen – erinnert sich Luciano – war Felice Scarzello von der Marchesi di Barolo. Er tat alles, um mich zu treffen. Er wollte, dass ich nach meiner Rückkehr vom Militärdienst die Borgogno verlasse und in seinem Weinkeller anfange. Das war ebenfalls ein angesehenes Haus, sogar größer als die Borgogno, und dieser beharrliche Druck von Felice Scarzello schmeichelte mir. Und außerdem lag auch dieses Unternehmen in Barolo, was mein Leben nicht allzu sehr verändert hätte".
Bei der Marchesi di Barolo war die Verantwortung für den Keller Giuseppe Scarzello übertragen worden (einem entfernten Verwandten von Felice und Onkel von Giorgio Scarzello, dessen Familie einen kleinen Weinkeller besaß). Alle kannten ihn als "Pinòto", die piemontesische Übersetzung seines Namens. Er war noch bei guter Gesundheit, aber seine Jahre häuften sich, und in einigen Jahren würde er in Rente gehen. Felice Scarzollos Plan war klar: Luciano sollte sich einleben, Erfahrung sammeln und dann "Pinòtos" Stelle als Verantwortlicher für die Kellerarbeit übernehmen.
Natürlich war der Vorschlag und die Aussichten – nicht nur finanzieller Art – durchaus attraktiv, doch Luciano hatte noch gewisse Zweifel, ob es klug sei, den Weinkeller Borgogno zu verlassen, um zur Marchesi di Barolo zu wechseln. Das Dorf war klein, und Luciano hatte wenig Toleranz für Klatsch. Er befürchtete, dass eine solche Entscheidung für viel Gesprächsstoff sorgen würde.

2.2
Ändern, um sich zu verbessern und zu wachsen - Die Jugend

Ändern, um sich zu verbessern und zu wachsen

Wenn Luciano an jene Jahre zurückdenkt, überkommt ihn so etwas wie Stolz: "Während meines Militärdienstes entschied ich mich, den Weinkeller Borgogno zu verlassen und zur Marchesi di Barolo zu wechseln.

2.3
Die sechziger Jahre und die Herkunftsbezeichnungen - Die Jugend

Die sechziger Jahre und die Herkunftsbezeichnungen

Inzwischen wurde 1966, genau am 23. April, das Dekret von Staatspräsident Giuseppe Saragat erlassen, das dem Barolo die Doc zuerkannte.

2.4
Die andere Hälfte des Himmels - Die Jugend

Die andere Hälfte des Himmels

Inzwischen war etwas Unerwartetes geschehen. Plötzlich weiten sich Lucianos Augen und lassen neue Gefühle durchscheinen.

2.5
Die Begegnung zwischen Luciano und Mariuccia - Die Jugend

Die Begegnung zwischen Luciano und Mariuccia

Die Begegnung mit Mariuccia erwies sich bald als vielversprechend. Zwar waren ihre Charaktere sehr verschieden, doch ergänzten sie sich nach und nach.

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und die Familie verbindet, die sein Erbe bewahrt.

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